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Durch Singen zu besserem Sex


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Edited by Dr Jaan Karl Klasmann | 07.03.2010
Sex ist eine der größten Sehnsüchte vieler Menschen – und nicht selten eine ihrer größten Niederlagen. Da ist das Wesen, das wir begehren, gefunden, erobert, die erste hochgestimmte Nacht vorbei – und was sich immer mehr breit macht, ist Leere, Routine, das Abspielen eines Musters.

Die Erwartung, dass sich die wunderbaren, weil überraschenden und so ganz frischen Ekstasen des ersten Verliebtseins wiederholen mögen, bleibt enttäuscht. Dann ist da der tägliche Stress im Job, zusätzlich oft mit den Kindern; die innere Anspannung wird eine dauernde und meistens mit ins Schlafzimmer getragen. Aus Begegnung wird simpler Spannungsabbau; häufig folgen Lustlosigkeit, vielleicht sogar Funktionsstörungen. Anstelle dieses herrlichen Zusammen-über-sich-selbst-hinausgetragen-Werdens immer mehr Verstrickung und Erstickung.

Wer sich darin wiederfindet, für den habe ich ein Angebot, das auf den ersten Blick gänzlich abwegig erscheinen mag: Singen! – „Singen????“ – Ja, Singen! Aber nicht dieses unerträgliche, sterile, „technische“ Singen, das uns heute auf so vielen Bühnen und Konzertpodien vorgesetzt wird. Auch nicht die wütend-heiseren akustischen Entladungen von Hardrock-Sängern oder das in Watte gepackte Schmachten mancher Schlager-Stars.

Ich meine ein Singen, das heute fast in Vergessenheit geraten ist. Das aus dem Herzen, ja noch tiefer: aus der Seele fließt, ganz einfach, unverstellt, mühelos und schön. „Recht nett, aber – sorry – ich kann nicht singen!“ – Doch, können Sie! Der Beweis wurde allein in meinen Kursen schon über 500mal erbracht: Jeder Mensch kann singen (und zwar richtig!), wenn er sich nur nicht selbst im Weg herum steht. Und damit wären wir beim Zusammenhang zwischen Singen und Sex.

Unsere Freiheit – und wie wir ihr im Weg stehen

„Sich nicht im Weg stehen“: Womit stehen wir uns im Weg? – Die Antwort finden wir am deutlichsten direkt in unserem Körper:

• Singen wie Sex wird dann gut, wenn die Lebensenergie, die wir über den Atem aufnehmen, frei durch den ganzen Körper fließen darf. Bioenergetiker und Atemtherapeuten sprechen von der „Atemwelle“, die uns bei jedem Atemzug vom Scheitel bis zu Sohlen durchströmt, oder besser: Durchströmen sollte. Denn fast alle Menschen unseres Kulturkreises unterbrechen diese Welle an vielen Stellen, nämlich überall dort, wo wir unnötige Anspannungen (= Verspannungen) sammeln.

• Aber warum nehmen wir diese Mühe überhaupt auf uns? – Wir tun es, weil wir seit früher Kindheit gelernt haben, dass wir so, wie wir sind, nicht in Ordnung sind. Wir unterdrücken Gefühle, Handlungsimpulse und Wesensanteile, von denen wir gelernt haben, dass sie inakzeptabel seien, uns je mehr wir dies tun, desto mehr drosseln wir unseren Atem. Und je mehr wir unsren Atem drosseln, desto weniger können wir spüren und fühlen; desto „toter“ sind wir, bei lebendigem Leib.

Sich zeigen statt sich zu verstecken!

• Und hier liegt der nächste Zusammenhang: Wenn Sex „gut“ ist, dann nur, wenn wir uns darin Begegnung gestatten, das heißt, uns zeigen: Nicht nur nackt an Körper, sondern auch an Seele; wenn wir unsere ganze Kraft, unsere ganze Liebe, unsere ganze Berührbarkeit und Verletzlichkeit, die ganze Tiefe unserer Empfindung offen da sein lassen und solchermaßen miteinander teilen. Und ganz gleiches gilt für’s Singen: Was immer wir von uns verstecken wollen, behindert Atem und Tongebung, denn frei zu singen heißt, sich ganz zu zeigen; sicht- und hörbar zu werden, als die, die wir wirklich sind.

Nur, wenn wir geschehen lassen, begegnen wir uns

• Der Weg dazu führt in beiden Fällen über den Atem: Singen ist nichts anderes als Ausatmen; nur dann wenn beim Sex der Atem fließt kann „es“ kommen.
• Und damit erreichen wir die tiefste der Gemeinsamkeiten: Sex wie Singen wird nur dann gut, wenn wir es oder ihn nicht „machen“, sondern geschehen lassen. Der Orgasmus, wie auch ein prächtiger hoher Ton, sind hoch komplexe Abläufe, die der Körper selbsttätig organisiert. Das bedeutet: Wir müssen alle Vorstellungen unseres Verstandes, wie es „funktioniert“ beiseite stellen. Indem wir – bei wachem Kopf – etwas geschehen lassen, was dieser Kopf nicht kontrolliert, können wir uns so erfahren, wie wir jenseits unserer Konzepte wirklich sind – zutiefst offen und gegenwärtig, Seiende, die eben deshalb unermesslich kostbar sind; die nichts tun müssen, sondern sich ereignen und in diesem Sich-Ereignen zum Kern der Liebe finden, die sie sind.

Eine Übung für jedermann und jedefrau

Große Worte? – Ausprobieren! Beginnen Sie ganz einfach:
• Stehen Sie aufrecht, die Beine etwa schulterbreit auseinander; gehen Sie langsam ein wenig in die Knie und versetzen Sie Ihr Becken in sachte Kreisbewegungen. Achten Sie darauf, dass Ihr Atem dabei immer weiterfließt, und laden Sie ihn ein, auch Ihr Becken zu durchströmen.

• Öffnen Sie Ihren Mund weiter als Sie es gewohnt sind (aber ohne ihn aufzureißen!), und lassen Sie die Zungen etwas über die Unterlippen hängen, während Sie den Atem weiterhin einladen, im Fluss zu bleiben. Sie haben die richtige Position gefunden, wenn sich eine Art Schleuse im Rachenraum auftut und der Atem von selbst tiefer in de Bauchgegend fließt, im Idealfall bis um Schambein.

• Nun beginnen Sie zu seufzen und zu stöhnen, wie um alle Last des Alltags ausströmen zu lassen. Achten Sie darauf, zwischen Ein- und Ausatmung keine Pause einzulegen, deren während dieser legen wir gleichsam unsere Rüstung an und blockieren den Ausatemfluß. Atmen so, wie Sie es in den Armen Ihrer/Ihres Liebsten täten.

• Ihr ganzer Rumpf ist jetzt ein einziges Gefäß für den Atem, jedes Ausseufzen versetzt Ihren ganzen Körper in Schwingung. Nun versuchen Sie, aus dem Seufzen (samt den sacht kreisenden Beckenbewegungen) stufenlos einen etwas getrageneren Ton werden zu lassen, der vielleicht sogar in ein Lied übergehen kann, ohne dass die besondere Qualität des Atems, der ungehemmte Fluss, gebremst oder unterbrochen wird. (Dazu müssen Sie in der ersten Zeit vielleicht schlampig, wie „besoffen“, artikulieren, denn die Konsonanten unserer Sprache zerhacken leicht den Atemstrom.)

• Üben Sie das zwei, drei Mal täglich, immer nur kurz, vielleicht 5 Minuten. Fühlen Sie nach der Übung in Ihren Unterleib: Wohlige Wärme? Ein Fließen von goldglänzender Energie?
Die gemeinsame Quelle von Sex und Singen
Genau diese Entschleunigung, das Fühlen und das Fließenlassen sind der Schlüssel für’s Singen und für guten Sex. Das, was schon da ist, wird davon noch tiefer und schöner; das, was scheinbar nicht (mehr) da ist, weil wir es in uns begraben haben – vielleicht schon sehr, sehr lange – wird zu neuen Leben erweckt. Eines schönen Sonntags, am letzten Morgen eines Drei-Tages-Kurses, nahm mich ein Teilnehmer beiseite und flüsterte strahlend: „Ich krieg schon seit 10 Jahren keinen mehr hoch, aber stell Dir vor: Heute früh...“ Eine junge Teilnehmerin eines anderen Kurses erzählte danach von ihrem ersten nicht selbst gemachten Orgasmus. Umgekehrt konnte ein anderer Teilnehmer seine Stimmblockade in dem Moment überwinden, als er beim Singen an seine Freundin dachte. Es funktioniert in beide Richtungen...

Wer sind Sie wirklich?

Sex und Singen sind beides Phänomene der sich frei entfaltenden Lebensenergie die uns in jedem Moment erneuert und zu anderen macht als wir bisher dachten zu sein. Beide sind zutiefst transformierende Erlebnisse, und beide „hängen“ an genau einem: Dem frei fließenden Atem.
Lassen Sie sich überraschen von dem- oder derjenigen, der oder die Sie wirklich sind – und hören Sie nie auf jene, die Ihnen erklären möchten, was Sie alles nicht könnten, wofür es schon zu spät sei oder was Sie alles tun oder leisten müssten, damit: SIE HABEN ALLES, WAS SIE BRAUCHEN, VON NATUR AUS MITBEKOMMEN!

Wochenend-Seminar - Sich frei Singen
Termin: 18. - 21. März 2010
Ort: Wien
Alle nähere Informatione finden Sie im PDF anbei

dieser artikel bestätigt viele erlebnisse, die ich selbst mit dem singen hatte. eine der intensivsten erfahrungen durfte ich im rahmen der österreichischen qi gong-tage auf schloss goldegg vor vielen jahren machen: das freie spiel der 5 tiere wurde von meiner geschätzten kollegin dr. gitta bach vermittelt. nach sorgfältigen erdungs-,  lockerungs- und meditationsübungen im stehen war der kopf leer, waren die füße gut verwurzelt und das qi konnte sich so ausdrücken, wie es dem jeweiligen individuellen zustand und fluss entsprach.

gitta kündigte an, dass das qi, die lebensenergie, sich meist in körperbewegungen - sanft oder kraftvoll, mehr oder weniger ungehindert - ausdrückt. es gälte einfach nach den vorbereitenden übungen nur ruhig mit offenem herzen zu stehen und darauf zu warten, was da kommt.

neugierig und staunend beobachtete ich, wie aus mir töne in unterschiedlichen höhen und tiefen strömten, die immer freier und jubelnder zum himmel hochjauchzten. ein ton folgte freudig dem nächsten, eine melodie gebar die nächste. meine stimmbänder vibrierten in nie gekannter freiheit, mit nie gekannter kraft und intensität und mein atem entfaltete eine fülle und farbigkeit, die mich in reines singen verwandelten. tränen kollerten die wangen runter.

"ich" gab es nicht mehr. nur das singen.

diese erfahrung hat mein leben verändert. erinnern ans wesentliche: singen und tanzen , bewegen und tönen, mich dem eigenen rhythmus hingeben, freude, jubel, heiterkeit, leichtigkeit, ekstase, lebendigkeit, natürlichkeit - all das tauchte wieder auf und durfte leben und platz greifen.

dein artikel  hat mich wieder dran erinnert - danke dir dafür! ja, die wurzeln sind tief in uns drin: wir alle KÖNNEN singen, genauso, wie wir atmen können. so einfach. und der zusammenhang zwischen singen und lebendiger sexualität ist nur zu naheliegend: öffnung des herzens lässt die gefangenen lieder frei herausströmen. nach dem qi gong-üben will es aus mir singen. so einfach. alle energieleitbahnen sind geöffnet - es tönen die lieder, der frühling kehrt wieder ...

danke nochmals für diesen inspirierenden artikel! anita calzadilla