Autor: Grit Scholz am 11. Aug 2009 In den Medien taucht immer öfter das Thema "Designer-Vagina" auf, die Schönheitschirurgie hat ein neues Feld entdeckt, die Umgestaltung der weiblichen Genitalien. Zahlreiche Frauen in der westlichen Welt, machen von diesem Service Gebrauch, weil sie mit dem Aussehen ihrer Vulva nicht zufrieden sind, sich nicht wohl fühlen. Unsere Kultur hat es zu einem Punkt gebracht, an dem Frauen bereit sind, ihre Vulva freiwillig für viel Geld beschneiden zu lassen, damit sie z.B. besser in einen Tanga-Slip passt.
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Die Verehrung der Modeschöpfer und die Hingabe an genormte Schönheitsideale scheint also größer zu sein, als die Verehrung des eigenen Körpers und der Schöpfung selbst.
Unsere Kultur und Gesellschaft pflegt das Thema "weibliche Genitalien" zu tabuisieren oder zu sexualisieren und in letzter Zeit auch noch zu normieren.
Ich möchte dieser Entwicklung eine andere Sichtweise gegenüber stellen - die Schönheit und die Verehrung der Einzigartigkeit zu entdecken, seinen eigenen Körper wert zu schätzen und zu lieben und speziell die Schönheit und Kraft der Vulva neu zu erleben, nach so vielen Jahrhunderten der Tabuisierung, Verachtung und Erniedrigung.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Unwissenheit über das Aussehen der Yoni – die beste Basis für Verunsicherung, Scham und Unbehagen sind. Denn mir hatte damals, als ich in die Pubertät kam, niemand erklärt, wie die Vulva sich verändert, wenn ein Mädchen zur Frau wird. Ich wusste zwar, dass mir Schamhaare wachsen werden und ich monatlich bluten werde – aber das sich die Form und Farbe meiner kindlichen Yoni – auf solch heftige Weise verändert, hat mich damals tief erschreckt. Ich glaubte, ich sei krank – denn es kam mir vor, als hätte ich ekelhafte Wucherungen, die auch noch ungleichmäßig waren und schrumpelig und von tief brauner Farbe. Im Gegensatz zu der kindlichen, rosafarbenen Yoni, die so aus sah wie ein kleines Brötchen – kam mir der neue Anblick regelrecht entsetzlich vor. Denn so etwas hatte ich noch NIE gesehen.
Ich denke, hier liegt das Problem der meisten Frauen – wir Frauen haben einfach keine Ahnung, wie weibliche Genitalien aussehen können – denn nur die kindliche Yoni ist allgemein bekannt. Diese wird als unschuldig und rein empfunden – und prägt deshalb wohl auch das Schönheitsideal.
Es gab Zeiten, da galten große Schamlippen als besonders weiblich und kraftvoll, Zeiten, in denen das Entblößen der Vulva zur kampflosen Abwehr von Feinden benutzt wurde. (viel interessantes zur Kulturgeschichte der Vulva ist zu lesen in dem Buch „Vulva“ von Mithu Sanyal)
Die Wahrheit könnte sein, dass wir inzwischen alle vergessen haben, was Weiblich ist – sogar die MedizinerInnen. Es gibt keine Aufklärung, es gibt keine Wertschätzung und keinen liebevollen Umgang in Bezug auf die Yoni.
Dafür gibt es die Bezeichnung „Vagina“, die offiziell benutzt wird, um das weibliche Genital zu benennen – vor allem auch von MedizinerInnen.
Und es scheint kaum jemand zu wissen, dass Vagina lediglich eine Bezeichnung ist für den Eingang, bis hin zum Muttermund, also für die Scheide.
Das weibliche Genital besteht aber aus viel mehr als der Scheide. Es besteht aus den äußeren und inneren Schamlippen, der Klitoris, bestehend aus zwei großen Strängen (empfindsamster Schwelkörper) die unter den Schamlippen verlaufen und sozusagen im Kitzler verschmelzen, der Harnröhre und der Scheide. Die richtige Bezeichnung dafür ist Vulva – aber dieses Wort werden Sie wohl kaum von einem Gynäkologen hören.
In dern 68er Jahren gab es eine sehr starke feministische Bewegung, die viel Aufklärungsarbeit geleistet hat, da haben Frauen sich mit Spekulum in kleinen Gruppen selbst untersucht und gegenseitig betrachtet - ohne diese Pionierarbeit, wäre so ein Projekt wie "Das Tor ins Leben" vielleicht heute gar nicht möglich. Und doch ist so vieles von dem, was die Frauen damals für sich herausgefunden haben im Sande versickert und nicht an die breite Öffentlichkeit gelangt.
Vielleicht ist jetzt die Zeit reif dafür...
Die unglaublich große Resonanz in Form von Buchbestellungen und positiven Feedbacks, nach einem Beitrag von RTL (13.07.09, 30 Minuten Deutschland "Schnitt im Schritt") in dem unter anderem auch von meinem Buchprojekt berichtet wurde, hat mir gezeigt, dass sehr, sehr viele Menschen eine große Sehnsucht haben - sich liebevoll und respektvoll mit diesen Themen auseinander zu setzen, jenseits von Pornografie und Schönheitswahn.
Unserer Kultur und Gesellschaft mangelt es also grundsätzlich an Wissen und an Respekt. Dieser Mangel bietet z.B. der Pornoindustrie die Möglichkeit der Alleinherrschaft – denn nur hier kann man Vulvas sehen. Leider sieht man hier nicht die Vielfalt der Natur, sondern das, was Pornomacher für „geil“ halten. Das sind meist rasierte Yonis, die sehr kindlich wirken und meist kleine innere Schamlippen haben oder gemacht bekommen haben.
Inzwischen ist der Pornokonsum in der westlichen Welt so gestiegen, dass man behaupten kann, Pornos sind gesellschaftsfähig geworden. Pornos dienen vielen Menschen als Vorlage für ihr sexuelles Verhalten und Verlangen.
Vor allem Jugendliche im alter zwischen 16 und 20 Jahren, scheinen sehr stark davon geprägt. Fragt man da nach, was sie von Intimrasur halten, bekommt man oft die Antwort – das dies ein MUSS sei. Alles andere wäre ungepflegt, schließlich sind wir ja keine Affen.
Haare gehören nur auf den Kopf und an die Augen – alles andere ist unhygienisch und unsexi. Natürlich gehen auch viele Jugendliche davon aus, dass Sexualität das ist, was sie in Pornos sehen. Sprich – Sexualität wird nicht in Verbindung gebracht mit menschlicher Nähe, mit emotionaler Zuneigung und Verbundenheit – sondern lediglich mit eigener Geilheit, Orgasmuszwang und äußerlichen Reizen.
Vielleicht ist das der Punkt – eine Sexualität leben wie die Affen, aber nicht wie die Affen aussehen wollen.
Was unserer Kultur fehlt, ist eine Gegengewicht zu diesem Trend. Natürlich darf und sollte jeder Mensch selber entscheiden, wie er sein Sexualleben gestalten möchte und wie er mit seinem Körper um geht. Nur wenn die Menschen gar keine Wahl haben, weil die Informationen einfach zu einseitig sind und die breite Masse in Unwissenheit gehalten wird – dann entsteht ein Ungleichgewicht. Meiner Meinung nach ist es das, was wir gerade in sehr vielen Bereichen spüren – die Wurzel dieses Ungleichgewichtes liegt in der Verachtung und Unterdrückung der Weiblichkeit, des weiblichen Prinzips. Ein Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang.
Mein Buch „Das Tor ins Leben“ soll ein Beitrag sein, wieder zu einem Gleichgewicht zu finden. Es geht in erster Linie darum, dass Frauen wissen sollten, wie Yonis aussehen können – wie vielfältig, einzigartig und wunderschön die Natur diesen sagenumwobenen Körperteil der Frau gestaltet. Deshalb habe ich die Yonis von 65 Frauen im Alter von 18 – 75 Jahren fotografiert. Bei meiner Arbeit konnte ich feststellen, dass diese Sprüche wie „Alte vertrocknete Jungfer“ oder „Ausgeleierte Mutter“ oder „rosige Jungfrau“ nur Ammenmärchen sind. Eine Jungfrau mit 18 Jahren kann durchaus eine so weibliche Yoni haben, dass man glauben könnte sie hätte schon mehrfach geboren und eine alte Dame, kann eine Yoni haben, die sehr mädchenhaft wirkt.
Das was uns wirklich im Weg steht, die Vielfalt zu genießen, sind die vorgefertigten Bilder in unseren Köpfen, unser kollektiver Wahnsinn genitale Weiblichkeit zu verabscheuen.
Hier hat die Kirche mit der Geschichte von Jungfrau Maria – sehr viel Leid und Elend erzeugt. Denn alle Frauen, die den Samen des Mannes empfangen und Kinder gebären, sind demnach unrein und befleckt.
Statt tiefer Verehrung für die schöpferische Leistung, leben zu gebären – wird hier Verachtung geübt.
Allein dieses Gefühl, sitzt tief in den meisten Menschen, oft völlig unbewusst – sorgt es für unerklärliches Unbehagen.
Das ist es auch, was viele Menschen spüren, wenn sie plötzlich mit dem Anblick von so vielen verschiedenen Yonis in meinem Buch oder bei Fotoausstellungen konfrontiert sind – es gibt oft gar keine innere Erlaubnis, diesen Körperteil unbefangen und neugierig zu betrachten.
Da wir Frauen uns auch schlecht selbst an dieser Stelle betrachten können, ohne Spiegel oder Verrenkungen – ist das ein fremder und ungewohnter Anblick – bei welchem tief sitzende unbewusste Gefühle auftauchen. Ich sehe das als Beginn eines Heilungsprozesses – wenn man sich erlaubt, das, was da auftaucht bewusst zu fühlen und zu hinterfragen.
Es gibt inzwischen viele TherapeutInnen, die mit meinem Buch arbeiten – weil sie der Meinung sind, das es ein direkter Weg zur Wurzel viele Blockaden und Störungen ist.
Der Prolog des Buches ist 8-sprachig, weil es mir wichtig ist, dass die Menschen sich, bevor sie die Bilder sehen, mit meiner Intension vertraut machen.
Ich biete Vorträge mit Diashow an und habe auch eine Fotoausstellung, für die ich Ausstellungsmöglichkeiten suche.
Bei Interesse bitte per e-mail bei mir melden: info@lebensgut-verlag.de
Näheres zum Buch: http://www.das-tor-ins-leben.de
Veranstaltungstermine, Presseinformationen und einen Onlineshop finden Sie unter: http://www.lebensgut-verlag.de
Einen Beitrag zum Buchprojekt "Das Tor ins Leben" sendete RTL am 13.07.09 bei "30 Minuten Deutschland" zum Thema "Schnitt im Schritt".
Die Sendung ist hier online anzusehen: http://www.lebensgut-verlag.de/index.php?tv-berichte
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